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d12 2007

Die vom Künstlerischen Leiter Roger M. Buergel konzipierte Ausstellung der Arbeiten von 109 KünstlerInnen aus 43 Ländern wurde von 754.301 zahlenden Gästen besucht. Dazu kamen 4.390 FachbesucherInnen und 15.537 JournalistInnen aus 52 Ländern. Das bedeutet eine in der jüngeren documenta-Geschichte einzigartige Steigerung der Besucherzahlen von 16% bzw. 100.000 mehr zahlenden BesucherInnen als bei der Documenta11.



Ein Drittel* der BesucherInnen kam aus dem Ausland (* so die Zwischenergebnisse einer Studie, durchgeführt von Prof. Hellstern an der Universität Kassel), allen voran aus den Niederlanden, den USA, Frankreich, Belgien und Österreich. Deutlich mehr Publikum kam bei dieser documenta aus verschiedenen Staaten Osteuropas (angeführt von Polen), aus Australien und den USA sowie aus dem asiatischen Raum: aus Südkorea, Japan und vor allem China, das erstmals auf Platz sechs der Besucherrangliste liegt.



Lokales Engagement im documenta 12 Beirat

Bei der Bildung ihres Publikums war der documenta 12 sehr an der Herstellung einer lokalen Öffentlichkeit in Kassel gelegen. Der documenta 12 Beirat mit 40 Mitgliedern hat in Anbindung an das Kulturzentrum Schlachthof intensiv in der Stadt gearbeitet – und das offenbar sehr erfolgreich: mehr als doppelt so viele BesucherInnen (14%) kamen aus dem Raum Kassel im Vergleich zur vorigen documenta. In Zusammenarbeit mit dem Vermittlungsteam sind verschiedene Aktivitäten des Beirats entstanden, die hoffentlich über die documenta 12 hinaus ihre Wirkung in der Stadt entfalten. Das Kulturzentrum Schlachthof hat sich auch als Ausstellungsort bewährt, der von rund 40.000 Gästen besucht wurde. Das Schloss Wilhelmshöhe im historischen Bergpark Kassels war ebenfalls ein beliebter Ausstellungsort für mehr als 220.000 BesucherInnen.



An den bloßen Publikumszahlen kann eine Ausstellung mit dem Anspruch der documenta jedoch nicht gemessen werden. Sie bedeuten lediglich, dass die documenta ihre Anziehungskraft bei einem internationalen Publikum auch nach über 50 Jahren nicht verloren hat. Und sie zeigen, dass es gelingen kann, eine populäre Großausstellung zu machen, ohne populistisch zu sein. Den Herausforderungen zeitgenössischer Kunst und einer nicht an den Konventionen des westlichen Kunstmarktes orientierten Ausstellung hat sich das Publikum der documenta 12 mit großer Offenheit gewidmet.



Engagierte Kunstvermittlung

Ob diese Ausstellung ihrem Anspruch gerecht geworden ist, ein Publikum im mehrfachen Sinn des Wortes zu bilden, lässt sich kaum objektivieren. Einen Hinweis darauf mag die sehr gute Resonanz auf das Vermittlungsprogramm der documenta 12 geben, das sich jenseits der Dienstleistung um eine Aktivierung des Publikums bemühte. Im Vermittlungsformat „Die Welt bewohnen“ haben SchülerInnen Erwachsene durch die Ausstellung geführt. Sehr positiv wurde auch die verstärkte Einladung an Kinder und Jugendliche zur gemeinsamen Beschäftigung mit der Ausstellung in dem Vermittlungsprogramm „aushecken“ wahrgenommen.



documenta 12 magazines

Im Projekt von documenta 12 magazines wurden lange vor Beginn der documenta über 100 Redaktionen unterschiedlicher Magazinformate und Schwerpunktsetzungen aus aller Welt eingeladen, über die Themen und Motive der Ausstellung nachzudenken und sich – vernetzt durch eine umfassende redaktionelle Plattform – darüber auszutauschen.

Entstanden sind über 300 Beiträge, Aufsätze, Interviews und Essays, aus denen drei Magazine zu den Leitfragen der Ausstellung publiziert wurden. Während der Ausstellung waren EditorInnen aller beteiligten Magazine eingeladen, ihre Perspektiven auf die documenta 12 und ihre Themen miteinander zu diskutieren.



Lunch Lectures

Die täglichen Lunch Lectures, die an 100 Tagen ein neugieriges Publikum fanden, waren eine gemeinsame Initiative von documenta 12 magazines, des documenta 12 Beirats und der Kunstvermittlung. Diese drei Organisationsformen der Ausstellung teilten das Interesse, die documenta 12 in verschiedene Kontexte zu bringen und einen Austausch mit lokalem Wissen herzustellen. In den Lunch Lectures wurden die daraus entstandenen Aktivitäten in einem informellen Rahmen mit Gästen und Publikum diskutiert. Neben den Lunch Lectures gab es noch 70 Workshops, Präsentationen sowie Film- und Videovorführungen.





Das Filmprogramm der documenta 12

Die Entscheidung, dem Film bei der documenta 12 wieder seinen traditionellen Ort zurück zu geben, nämlich das Kino, wurde vom Publikum angenommen. Dabei waren nicht nur die drei Weltpremieren der Filme von Robert Beavers, James Benning und Dietmar Brehm ausverkauft, sondern auch viele „alltägliche“ Vorstellungen dieses von Alexander Horwath kuratierten Filmprogramms.



Mediale Resonanz

Die Berichterstattung, die auch einen Aspekt des Mediums Ausstellung darstellt, ist nahezu unüberschaubar. 15.537 MedienvertreterInnen hatten sich akkreditiert, allein an den Vorbesichtigungstagen kamen knapp 5.000 JournalistInnen aus 49 Ländern. Internationale Tages-, Wochen- und Fachpresse hat sich mit der documenta 12 ebenso auseinandergesetzt, wie das Radio, TV sowie eine unüberschaubare Zahl von Internetmedien und Weblogs. Auch wenn eine detaillierte Analyse zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu leisten ist, zeichnet sich eine überaus kontroverse Resonanz auf die Ausstellung ab, vor allem in der euro-amerikanischen Fachpresse. Gekennzeichnet ist die Rezeption von einer starken Polarisierung, die sich zwischen den Superlativen der „worst art show ever“ und dem „Neuanfang“ bewegt – ein Phänomen, das bei der documenta durchaus Geschichte hat.



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